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Stadtwanderung Wien – 10 000 Schritte abseits der Touristenmassen

10 000 Schritte

Der 2. Bezirk bietet auf 10 000 Schritten neben viel Geschichte auch hübsche Lokale, kleine Geschäfte und dazu den Karmelitermarkt.

Rund um den Wiener «Steffl», den Stephansdom, sowie auf den grossen Shoppingmeilen Mariahilfer Strasse und Kärtner Strasse wird es schon mal etwas eng. Nur ein paar Schritte weiter aber zeigt sich die Stadt von ihrer entspannten Seite – mit echtem Quartierleben statt Dauerandrang.

Zum Beispiel jenseits des Donaukanals im 2. Bezirk, der Leopoldstadt. Ein besonders geschichtsträchtiger Bezirk. Hier liegt auch der Prater, Wiens berühmter Vergnügungspark. Doch den überlassen wir lieber denjenigen, die Lust auf Riesenrad und Menschenmengen haben.

Strandfeeling mitten in Wien: Coole Outdoor-Lokale laden direkt am Donau-Kanal zum Verweilen ein (Bild: WienTourismus/Christian Stemper).

Coole Outdoor-Lokale und Street-Art-Malereien

Gut möglich, dass man schon am Donaukanal hängen bleibt – zwischen Street Art, Bars und lässigen Outdoor-Lokalen. Tagsüber findet sich problemlos ein schönes Plätzchen am Wasser, an warmen Sommerabenden wird es entsprechend lebhafter.

Vom Schwedenplatz her schlendern wir via Marienbrücke über den Donau-Kanal in den 2. Bezirk. Ja, die Donau ist in Wien so etwas wie die Lebensader, die mit ihren verschiedenen Donau-Regulierungen einiges zu erzählen hat. Lange floss die Donau weit weniger geordnet als heute und setzte regelmässig ganze Stadtteile unter Wasser. Heute gibt es den Donaukanal, die Alte und die Neue Donau – und dazwischen die Donauinsel. Die 21 Kilometer lange künstliche Insel ist heute eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Stadt. Doch davon erzählen wir ein anderes Mal.

Mit Musik im Ohr beschwingt durch die Gassen

Kaum stehen wir in der Lilienbrunngasse, fällt uns ein zwar eher unscheinbares Hochhaus auf mit einem angebrachten Schild. Es beschreibt, dass genau hier, im einstigen Dianabadsaal, am 15. Februar 1867 Johann Strauss Sohns Walzer «An der schönen blauen Donau» erstmals aufgeführt wurde. Mit dieser Melodie im Ohr spaziert es sich gleich beschwingter durch die Gassen.

Und schon landen wir im nächsten Kapitel Wiener Geschichte. Noch immer in der Lilienbrunngasse stehen wir vor der gut bewachten Synagoge und der koscheren Bäckerei Ohel Moshe. Der 2. Bezirk ist eng mit jüdischem Leben und jüdischer Kultur verbunden. Seit dem 17. Jahrhundert lebten hier jene jüdischen Wienerinnen und Wiener, die einst aus der historischen Innenstadt vertrieben worden waren. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten rund 200 000 Jüdinnen und Juden in Wien, nach dem NS-Regime nur noch etwa 10 000 bis 15 000.

Lebendiges Quartierleben ohne Hektik

Erst Jahrzehnte später kehrte neues jüdisches Leben ins Quartier zurück – und ist bis heute sichtbar. Immer wieder begegnen uns orthodoxe Juden mit Kippa oder kleine Buben, die mit wehenden Schläfenlocken auf ihren Trottinetts vorbeiflitzen.

Aber auch viele junge Leute scheinen hier günstigen Wohnraum gefunden zu haben, wie uns auffällt. Genau diese Mischung macht den Reiz des Viertels aus. Die grossen Sehenswürdigkeiten Wiens scheinen weit weg, stattdessen dominiert entspanntes Quartierleben ohne Hektik.

Ein kleines Genuss-Paradies: Das Feinkostgeschäft Erwin’s Corner (Silvia für Slow in the City).

Kleine Geschäfte um den Karmeliterpark

Wir flanieren durch die Kleine Sperlgasse mit dem Erwin’s Corner, einem Feinkostgeschäft, und der Weinbar Vinifero mit ausschliesslich Bio-Weinen weiter zum Karmeliterplatz mit der St. Josef-Kirche.

Wir biegen in die Schmelzgasse ein und gehen weiter zur Zirkusgasse. Dort befindet sich das Ototo, ein sogenannter Community Store, wo kleine unabhängige Brands gefördert werden. Da gibt’s alles rund ums Essen, Getränke oder Beauty-Artikel, süsse und pikante Snacks und Gerichte to go. Wir setzen uns an eines der Tischchen mitten im Laden und geniessen einen kleinen Braunen mit einem köstlichen Mohnkuchen.

Im Community Store Ototo an der Zirkusgasse gibt es von feinen Kuchen bis zu Beauty-Produkten eine breite Auswahl von kleinen Brands (Silvia für Slow in the City).

Nicht weit entfernt ragen plötzlich vier weisse Säulen in den Himmel. Sie erinnern an den Leopoldstädter Tempel, der während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde. Überhaupt begegnet man im Viertel immer wieder Gedenktafeln, die an die Shoah erinnern.

Der Augarten mit barocker Gartenanlage und Flaktürmen

Kurz darauf erreichen wir die Praterstrasse und entdecken den Praterwirt mit seinen riesigen Budweiser-Fässern im Lokal – ein Ort, der jeden Durst ernst nimmt. Wir biegen jedoch links in die Rotensterngasse ab und werfen einen Blick in den Laden «Duft und Kultur Bazar» mit Parfums und Raumdüften. Rundherum herrscht reges Treiben zwischen Fastfood-Lokalen wie Stern16 oder Gratzls Fusion Kitchen.

Der Augarten mit seinen 52 Hektaren und Museen lockt für einen Zwischenhalt (Silvia für Slow in the City).

Und schon stehen wir am Augarten, der ältesten barocken Gartenanlage Wiens mit 52 Hektaren. Man könnte glatt einen Tag darin verbringen. Ein wahres Labyrinth an Alleen und diversen Gastronomien bietet sich hier – und sogar ein Porzellan-Museum sowie das Filmarchiv Austria. Auch die Wiener Sängerknaben haben hier ihr Konzerthaus, das Muth.

Auch die Wiener Sängerknaben haben ihren Konzertsaal im Augarten (Silvia für Slow in the City).

Dann wären da noch die beiden Flaktürme – ebenfalls ein düsteres Kapitel Wiener Geschichte. Der Leitturm und der Gefechtsturm wurden 1944 und 1945 errichtet, der Gefechtsturm im Augarten ist sogar der höchste aller sechs Wiener Flaktürme. Nur einer davon wird heute anders genutzt: als Haus des Meeres.

Hübsche Beisln und frische Köstlichkeiten auf dem Karmelitermarkt

Was uns hier beim Eingang in den riesigen Park auffällt, ist die alte Personenwaage. Ob sie wohl noch benutzt wird? Dieser Frage gehen wir später nach. Es gibt nämlich heute noch deren rund 150 in Wien.

Zu viel genascht? Dann ab auf die Waage. Solche findet man überall in Wien (Silvia für Slow in the City).

Zum Abschluss unserer Runde landen wir auf dem Karmelitermarkt zwischen Leopoldsgasse und Im Werd – und der hat es in sich. Da sind die kleinen Beisln in den fixen Marktständen und samstags der beliebte Bauernmarkt. Ob türkische Spezialitäten, Geflügel, Früchte oder Gemüse: Hier bekommt man fast alles. Köstliche Bioküche serviert etwa das Zimmer 37, dazu kommen die erste Wiener Tofu-Manufaktur oder das hübsche «cafémima». Schade nur, dass wir im Hotel frühstücken. Für ein Picknick unterwegs decken wir uns trotzdem noch rasch mit frischem Obst und einer ordentlichen Jause ein.

Auf dem Karmelitermarkt kann man sich an den Ständen mit frischen Produkten eindecken oder in einem der Beisln wie dem Zimmer 37 eine Kleinigkeit essen (Silvia für Slow in the City).
Basti von Rebel Tours Vienna ist der perfekte Guide für Touren ins unbekannte Wien.

Unterwegs mit Basti von Rebel Tours Vienna


Wir haben diese Tour übrigens mit Basti von Rebel Tours Vienna unternommen. Der in Wien aufgewachsene Halbbrasilianer begleitet Gäste an versteckte Ecken in der Stadt an der Donau und weiss auch viel über deren Geschichte zu erzählen. Und das macht er so charmant und interessant, dass man nach einer zweistündigen Tour gleich noch eine anhängen möchte. Zu Rebel Tours Vienna gehört auch seine Schwester Gabi. Die beiden coolen Guides – sie sind selbstverständlich staatlich geprüfte Fremdenführer – wissen genau, wo es wirklich das beste Schnitzel gibt oder auch ein brasilianisches Açaí. Und natürlich kennen sie auch die besten Fotospots der Stadt, die nicht alle Touristen aufsuchen. Übrigens: Sonderwünsche für ihre Touren sind ausdrücklich erwünscht! www.rebeltoursvienna.com

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