«Für das echte, tiefenentspannte Wien muss man ins Servitenviertel»

Prater, Stephansdom und Hofburg kann jeder. Wer das echte Wien sucht, nimmt die Tram-Linie D. Und erfährt hier weitere Geheimtipps von Gabi und Basti Knöbl.
Gabi und Basti Knöbl kennen Wien aus dem Effeff. Mit seinem alternativen Tourenunternehmen Rebel Tours Vienna zeigt das brasilianisch-österreichische Geschwisterpaar, wo die schönsten Ecken in der Donau-Stadt sind.
Slow in the City fragt sie nach ihren persönlichen Wien-Geheimtipps und will natürlich auch wissen, wo es das beste Schnitzel gibt.
Wo die Grenze zwischen Stadt und Dorf verschwimmt
Wo ist Wien so richtig slow, Gabi und Basti?
Basti: Für mich definitiv Grinzing, Sievering und Neustift am Walde im 19. Bezirk. Dort verschwimmt die Grenze zwischen Stadt und Dorf. Man trifft auf alte Winzerhäuser, Kopfsteinpflaster, Heurige, Weinberge und ein Tempo, das sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat.
Ich mag aber auch die super-ruhigen Innenhöfe des erstes Bezirks wie zum Beispiel den Melker Hof.

Welche Wien-Geheimtipps habt Ihr für die entspannteste, authentischste Atmosphäre, fernab der touristischen Hotspots?
Gabi: Das echte, tiefenentspannte Wiener Leben spürst Du im Servitenviertel im 9. Bezirk am besten. Das Servitenviertel – oft auch «Klein-Paris» genannt – rund um die Servitengasse ist wunderschön, fast autofrei und hat mit seinen Schanigärten ein unaufgeregtes, bürgerlich-entspanntes Flair. Ausserdem befindet sich mit dem Gartenpalais Liechtenstein ein echtes Highlight jenseits der Touristenmassen in unmittelbarer Nähe.
«Nicht einmal viele Wienerinnen und Wiener kennen den Setagaypark»
Basti Knöbl, Rebel Tours Vienna
Einmal gross durchatmen in einem Park – welchen unbekannten Park empfehlt Ihr? Und welche unbekannte Ecke in einem bekannten Park?
Basti: Den Setagayapark, ein kleiner japanischer Garten in Döbling im 19. Bezirk. Nicht einmal viele Wienerinnen und Wiener kennen den Park, obwohl er einer der ruhigsten Orte der Stadt ist.
Und wer eine unbekannte Ecke in einem bekannten Park erleben möchte, geht im Prater auf die Seitenwege abseits der Hauptallee Richtung Lusthaus. Dort hört man oft mehr Vögel als Menschen.

Statt den offiziellen Touristenbus zu nehmen, gehen wir lieber mit dem öffentlichen Verkehr auf Stadtrundfahrt. Welche Linie würdet Ihr dafür empfehlen?
Basti: Die Strassenbahnlinie D. Sie verbindet viele unterschiedliche Gesichter Wiens: Ringstrasse, Palais, Wohnviertel und Weinberge. Knapp dahinter: die Linie 38 von Schottentor nach Grinzing. Eine der schönsten Fahrten der Stadt.
Geheimtipps in Wien: Für einen Aperitivo ins Amerlingbeisl im 7. Bezirk
Wie sagt Ihr dem Aperitivo in Wien? Und was wäre da eine gute Slow-Adresse?
Gabi: Einen eigenen Begriff gibt es nicht wirklich. Man trifft sich einfach auf einen Spritzer. Meine Slow-Adresse wäre: das Amerlingbeisl im 7. Bezirk mit einem der schönsten Innenhöfe der Stadt im Herzen des Spittelberg-Quartiers.
Thema Kopfkino: In welchem Café, welcher Bibliothek oder an welchem versteckten Plätzchen liest es sich in dieser Stadt so richtig gut?
Basti: Mein Favorit: der Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek am Josefplatz in der Nähe der Hofburg. Für Caféstimmung: das Café Jelinek an der Otto-Bauer-Gasse im 6. Bezirk. Das Lokal ist etwas abgewetzt, gemütlich und unprätentiös. Ein Ort für Menschen, die tatsächlich lesen und nicht nur Fotos von Büchern machen.
«Im Cafe Hawelka gibt es den wahrscheinlich besten Apfelstrudel in ganz Wien»
Gabi Knöbl, Rebel Tours Vienna
Es giesst wie aus Kübeln: Welcher Ort in Eurer Stadt ist so wunderbar slow, dass er den grauen Tag sofort zum Leuchten bringt? Vielleicht auch kulinarisch?
Gabi: An einem regnerischen Tag ist das einzigartig urige Café Hawelka an der Dorotheergasse im 1. Bezirk mit seiner besonderen Atmosphäre immer einen Besuch wert. An diesem Ort macht es richtig Spass aus dem gemütlichen Innenraum aus dem Fenster zu schauen und den Regen zu verfolgen. Ausserdem gibt es dort den wahrscheinlich besten Apfelstrudel in ganz Wien.
Wiener Schnitzel: In drei Bezirken viermal herzhaft zubeissen
Apropos Essen: Wo gibts definitiv das beste Wiener Schnitzel?
Basti: Das ist beinahe schon eine Glaubensfrage. Meine persönlichen, klassischen Favoriten sind das «Meissl & Schadn» am Schubertring im 1. Bezirk und das «Figlmüller» an der Bäckerstrasse ebenfalls im 1. Bezirk. Wenn man Touristenandrang vermeiden möchte, würde ich zum Café Anzengruber an der Schleifmühlgasse im 4. Bezirk gehen. Auch richtig gut ist das «Skopik und Lohn» an der Leopoldsgasse im 2. Bezirk.
Geheimtipps in Wien von Gabi und Basti
Zwei Halbbrasilianer mit ganzer Wien-Leidenschaft
Hinter Rebel Tours Vienna steht das Geschwisterpaar Gabi und Basti Knöbl. Die in Wien aufgewachsenen Halbbrasilianer begleiten Gäste an versteckte Ecken in der Stadt an der Donau und wissen auch viel über deren Geschichte zu erzählen. Sonderwünsche für ihre Touren sind ausdrücklich erwünscht! www.rebeltoursvienna.com
Die beiden coolen Guides – sie sind selbstverständlich staatlich geprüfte Fremdenführer – kennen die Orte, wo es wirklich das beste Schnitzel gibt oder auch ein brasilianisches Açaí. Und natürlich verraten sie auch die besten Fotospots der Stadt, die nicht alle Touristen aufsuchen. Slow in the City war mit Gabi und Basti auf 10 000 Schritten im 2. Bezirk von Wien unterwegs.