Moin Frau Elbville, erzähl uns von Deinem Hamburg!

Wo ist Hamburg so richtig slow? Frau Elbville weiss es. Hier spricht die Stadtwanderin über Lieblingsorte und stillere Ecken in ihrem grossen Heimathafen.
Frau Elbville ist der Künstlername der Hamburger Journalistin, Fotografin und Autorin Susanne Krieg. Wenn diese Frau loszieht, kommt dabei meist ein grosser Bilder-Bogen heraus.
Auf ihrem Elbville-Blog zeigt Susanne ihre Lieblingsorte in der Stadt, erzählt urbane Anekdoten und verrät, was man in Hamburg so alles erleben kann.
Frau Elbville ist eine Stadt-Verführerin
Typisch für ihre Perspektive auf Hamburg sind Liebe zum Detail, lokale Verbundenheit und Insider-Wissen abseits der Touristenpfade.
Frau Elbville betätigt sich dabei auch als Stadtführerin. Ihre Hamburg-Liebe ist universal: Ganz egal ob Treppenhäuser, fotogene U-Bahn-Stationen, aussergewöhnliche Restaurantnamen und Regenpfützen – vor dieser Frau ist in Hamburg gar nichts sicher.

Liebe Frau Elbville, wo ist Hamburg für Dich richtig slow?
Auf der Grossen Elbstrasse zwischen Fischmarkt und Neumühlen (Oevelgönne). Am besten morgens vor 10 Uhr. Man hat diese Meile dann oft für sich allein, kann den Blick auf die Elbe hinüber zu den Container-Terminals geniessen, Schiffe beobachten und sich eine frische Brise um die Nase wehen lassen. Wenn es dann noch ein klitzekleines bisschen nieselt – perfekt! Das echte Hamburg-Feeling…
Einmal durchschnaufen im grünen Bereich – welchen unbekannten Park empfiehlst Du?
Grüne, nicht so bekannte Oasen in Hamburg-Altona sind der August-Lütgens-Park zwischen den gelben Klinkergebäuden eines historischen Krankenhausgeländes, in dem sich heute ein Stadtteilzentrum und eine Pädagogikschule befinden. Alte knorrige Bäume, schöne Rasenflächen – an warmen Tagen findet man dort immer ein schattiges Plätzchen. Auch toll: Der Wohlerpark nicht weit weg. Ein ehemaliger verwunschener Friedhof, auf dem im Sommer ganz viel Leben einkehrt. Zwischen alten Grabsteinen und urigen Rhododendren wird gegrillt, musiziert und Badminton gespielt.
Und in welche unbekannte Ecke in einem bekannten Park schickst Du uns?
Im schon viel eher bekannten Stadtpark empfehle ich Sierichs Biergarten, der sich hinter dem Freibad befindet – mit Blick aufs Planetarium.

Samstagmorgen in Hamburg: Was tust Du da am liebsten? Bitte mit einer Gutwetter- und einer Schlechtwettervariante.
Bei schlechtem Wetter gehe ich im Mercado in Ottensen einkaufen – ein kleineres überdachtes Einkaufszentrum mit kleinen und grossen Läden, ein paar Ketten, aber auch einem überdachten «Markt», an dessen Ständen es viele kulinarische Highlight gibt.
Bei gutem Wetter schlendere ich mit einem Franzbrötchen zum Altonaer Balkon (da ich in Altona lebe). Dort kann man von den Parkbänken eine schöne Hafenszenerie beobachten. Nebenan in der Hafenmeisterei holt man sich dann noch einen Kaffee und der Morgen ist perfekt.

Wo gibt es einen richtig guten Frühstücksort, der auch bei Einheimischen beliebt ist?
Meine Familie und ich frühstücken am liebsten bei Transmontana am Schulterblatt (Sternschanze), einem portugiesischen Café, in dem es grandiose Rührei-Variationen, sündhaft leckere Pastel de Natas und portugiesischen Milchkaffee («Galao») gibt. Dort kann man gut draussen (gegenüber der legendären Rote Flora), aber auch drinnen sitzen.
Es giesst wie aus Kübeln: Welcher Ort in Hamburg ist so wunderbar slow, dass er den grauen Tag zum Leuchten bringt? Vielleicht auch kulinarisch?
Du wirst lachen – aber bei Regen hat man an den St. Pauli-Landungsbrücken endlich mal seine Ruhe und kann zum Beispiel ganz allein am legendären Fischimbiss «Brücke 10» unter dem Unterstand am Tisch sitzen, die (angeblich) besten Fischbrötchen der Stadt essen und rüber aufs Dock schauen. Auch im Regen sehr romantisch!

Du bist unter anderem bekannt für Deine Pfützenbilder. Wo gibt es richtig gute Pfützen für Anfänger dieser Disziplin in Hamburg?
Die gibt es eigentlich an fast allen Orten, man muss nur mal die übliche Perspektive der Augenhöhe verlassen und sich über Pfützen hocken, in denen sich etwas Interessantes in der Umgebung spiegeln könnte. Es müssen auch keine grossen Lachen sein. Vielleicht ist die Speicherstadt aber besonders einfach, was Pfützenspiegelungen betrifft, da sich dort auch sehr viel spiegelt, was ansehnlich ist.
Und was sollten angehende Pfützenfotografinnen und -fotografen tun, wenn einfach kein Regen fallen will?
Opfert ein kleines bisschen Wasser aus der Wasserflasche. Es genügt meist ein kleiner Kleks, strategisch auf der Strasse verschüttet. Ebenfalls gut für Spiegelungsfotos: Autodächer. Besonders die dunkleren.

Shopping in Hamburg: Hast Du uns einen Tipp für besondere Geschäfte, gern auch mit etwas nostalgischem Flair?
Im Wasserschloss in der Speicherstadt ist ein tolles Teekontor, in dem mehr als 250 Teesorten, exklusive lose Mischungen, angeboten werden. Da kaufe ich gern speziellen Earl Grey!
Ah, sehr schön! Noch einen Tipp, bitte sehr!
Seit 1892 kann man bei Mützenmacher Walter Eisenberg in der Steinstrasse handgefertigte maritime Hüte kaufen, zum Beispiel Modelle wie «Prinz Heinrich», «Reepschläger», «Wasserlotse» oder «Elbsegler». Das Geschäft liegt versteckt hinter der Mönckebergstrasse, in der man sonst leider fast nur grosse Kaufhausketten findet. Auch Helmut Schmidt trug eine Mütze von Eisenberg. Und Karl Lagerfeld hat seine Models hier behütet, als sie 2017 für Chanel durch die Elbphilharmonie stolzierten.

Welches Souvenir, in dem auch wirklich viel Hamburg drinsteckt, bringen wir unsern Liebsten mit nach Hause? Eine Auswahl von drei Tipps bitte – und wo bekommen wir das?
Zunächst einmal eine Flasche Hamburger Rotspon.
Was ist das, bitteschön?
Nach alter Tradition in Fässern in Hamburger Kellern nachgereifter Rotwein aus Frankreich, der tatsächlich richtig lecker und nicht teuer ist! Gibt’s sogar bei Rewe.
Und sonst so?
Die handgemachten Schokoladen aus der Manufaktur Schokovida schmecken nicht nur gut, sie sehen einfach schön aus und es gibt sie in vielen, kleineren Läden. Auch gut: Kaffee von «Speicherstadt Kaffee» – wird vor Ort geröstet und fast alle Sorten schmecken gut.
Ich hätte noch eine vierte Souvenir-Idee, leider ein eigentlicher Problemfall. In Hamburg schwärmen ja alle von Franzbrötchen. Aufbewahren und somit heimbringen kann man die aber nicht gut…
… das stimmt schon, aber es gibt Ersatz: einfach die Franzbrötchen-Gewürzmischung von Ankerkraut mitbringen, die es mit etwas Glück sogar in gut sortierten Supermärkten gibt.
Noch einmal zurück zum Schmuddel- oder Schietwetter, wie Ihr in Hamburg sagt. In welches Museum, das idealerweise auch bei Sonne was hermacht, schickst Du uns?
Ich schicke Euch in zwei. Erstens ins Brahms-Museum. Es ist Teil des sogenannten Hamburger KomponistenQuartiers, das berühmte Musikpersönlichkeiten feiert, die eng mit der Hansestadt verbunden waren. Johannes Brahms stammt ja aus Hamburg und ist erst kurz vor 30 nach Wien gezogen. Im Gegensatz zu Gedenkstätten in Wien liegt der Schwerpunkt hier auf den ersten drei Jahrzehnten seines Lebens.
Und Museum Nummer zwei?
Da empfehle ich das Montblanc-Haus im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld.
Montblanc, die edle Schreibgerätemarke, die heute dem Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont gehört?
Ja, genau. Das Montblanc-Haus ist weniger ein klassisches Museum als vielmehr ein interaktives Erlebniszentrum. Neben der Dauerausstellung gibt es regelmässig wechselnde Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Die berühmten Montblanc-Schreibgeräte werden übrigens bis heute in Hamburg hergestellt.
Frau Elbille ist Susanne Krieg. Und umgekehrt
Stadt-Verführerin: Die Journalistin, Autorin, Dozentin und Influencerin Susanne Krieg vermittelt per digitalem Hamburg-Begleiter Elbville-Blog ihre Begeisterung für ihre Heimatstadt Hamburg in allen möglichen Facetten.
Foto-Walks: Bekannt ist Frau Elbville zusätzlich für ihre Foto-Walks. Dabei nimmt sie Gruppen von maximal 15 Gästen mit auf Touren, die zu versteckten Hamburger Perlen führen. Inbegriffen sind dabei auch Tipps, wie man diese Orte und Motive am besten per Smartphone fotografiert.
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