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Kanufahren in Hamburg – gleitende Arbeitszeit auf den Alsterkanälen

Kanufahren in Hamburg, Kayakspitze auf einem der grünen Alsterkanäle der Stadt
Kanufahren in Hamburg: Eintauchen ins blaugrüne Adernetz der Stadt (Andreas für Slow in the City).

Per Kayak oder Kanu auf den Alsterkanälen paddeln ist Erholung pur. Einziger Störfaktor: dass es so wenig Müll hat.

Für jemanden wie mich, der Wortspiele ebenso liebt wie die Arbeit für Slow in the City, lag der Spruch natürlich nahe.

Trotzdem habe ich mich lange zurückgehalten. Bis jetzt. Aber hier und heute muss ich ihn einfach bringen, den Satz. Weil er so gut passt wie nie zuvor: Flow in the City. 

Kanufahren in Hamburg: Warum ein Alster-Ausflug so entspannend ist

Man stelle sich vor: Eine Stadt per Kanu oder Kayak mit durchschnittlich zwei km/h er-fahren.

In einem muskelbetriebenen Paddelboot durch raschelndes Grün cruisen, mal unter einer Backstein-Brücke durchziehen, dann wieder eine muntere Ruderinnen-Equipe grüssen.

Paddeln auf dem Alsterkanal bei Eppendorf, ein Green Kayak fährt an einem Ruderboot vorbei.
Flow in the City: Hier kreuzen wir mit unserem Kayak eine frühmorgendliche Ruderinnen-Equipe (Andreas für Slow in the City).

Hier ein paar Brombeeren von der Uferböschung genascht, dort einen Schwan umschifft.

Oder, einer der vielen Höhepunkte der Fahrt, zur Pausenzeit vom Kayak aus im Bootscafé Cafe Canale einen Cappuccino, ein Stück Blechkuchen oder ein «Fischbrötchen auf die Flosse» bestellt – Entspannung pur.

Cafe Canale auf dem Mühlekampkanal in Hamburg Winterhude, ein Mann auf einem Kayak hat sich einen Kaffee bestellt und erhält ihn aus einem Fenster dargereicht.
Flottante Bestellung beim Cafe Canale: Einmal Doppio, bittesehr. Und vielleicht auch noch ein Fischbrötchen auf die Flosse (Selina Güntert).

Ja, man kann solche Momente im Bild festhalten. Aber wie ein Kaffeefenster auf einem Stadtkanal zum Window of Opportunity wird – das wird man immer mittragen im Herzen.

Oder eben, wie schon weiter oben verheissen: Flow in the City, die aquatische Erweiterung unseres Credos, Städte auf die sanfte Tour zu bereisen.

Menukarte vom Bootscafe Cafe Canale Hamburg Mühlenkampkanal Winterhude Alster
To be or not to be? Blechkuchen oder Fischbrötchen? Die grossen Fragen des Lebens, hier auf der Speise- und Getränkekarte des Cafe Canale (Andreas für Slow in the City).

Ausflug auf den Alsterkanälen, weit weg vom City-Stress

Wer die richtige Zeit wählt, findet auf dem Wasser auch als Kayak- und Kanu-Novize seinen ganz eigenen Flow.

Unbehelligt von Stoppschildern und Verkehrslichtern gestaltet man selbstbestimmt seine ganz persönliche urbane Safari, gleitet durch das blaugrüne Adernetz der Stadt.

Ein Paddler im Green kayak auf den Alsterkanälen von Hamburg, leises Gleiten in dichten Grün der Bäume
Auf aquatischer Stadt-Safari mitten in Hamburg: Erhabenes Gleiten durch das blaugrüne Adernetz der Hansestadt (Selina Güntert).

Wer auf den Alsterkanälen lautlos dahinzieht ist zwar auf jedem Wasser-Meter mittendrin in der Stadt – aber mental doch weit weg von Touris, Trubel und E-Trottinetts, die einem alle paar Minuten das Trottoir streitig machen.

Alles fliesst, alles geniesst.

Paddeln durch Hamburgs urbanen Wasserkosmos

Mangel an schiffbaren Wasserwegen herrscht nicht in Hamburg. Wenn ich richtig gezählt habe, fliessen 22 grössere und kleinere Kanäle durch die Hansestadt. Mindestens 15 dieser Wasserstrassen und -strässchen kann man per Kanu oder Kayak befahren.

Was dabei inklusive ist: Exklusive Einblicke in die Grundstücke, welche von der Hamburger Crème de la Crème bewohnt werden, oft ausgestattet mit Rattan-Outdoor-Oasen, bestückt mit exklusiven Ruderböötchen und sicher immer mit einem Steg bestückt, wie es ältere Semester aus dem legendären Lenor-Werbespot kennen. Nur dass in solchen Werbefilmen selten Worte wie «Privat!» oder «Kein Zutritt!» zu lesen waren. An den Ufern der wohlhabenden Hamburger Elite aber schon.

Alsterdampfer Sielbek in Hamburg, im Vordergrund ein Green Kayak eines Paddlers auf dem Wasser
Geniessen auf der Alster ist gut, aber Aufpassen ist noch besser: manchmal kreuzt ein Dampfer unsere Wasser-Wege (Andreas für Slow in the City.)

Aber egal. Zurück von der Werbe-Welt in die Hamburger Kanu-Realität. Teuer ist die Miete solcher Paddelbote für die Alsterkanäle in aller Regel nicht. Mit 10 bis 20 Euro pro Stunde ist man in aller Regel abfahrbereit.

Aber es geht auch günstiger. Viel günstiger.

Der Green-Kayak-Deal: Ich Müll, Du Kanu

Wer sich sein Alsterboot über Green Kayak reserviert und besorgt, gleitet komplett kostenlos durch die Stadtkanäle. Die Organisation, die in mehreren Städten aktiv ist, propagiert Umweltschutz ohne erhobenen Zeigefinger.

Der Deal: Man erhält kostenlos ein Kayak – und verpflichtet sich dafür, während der Fahrt mit einer zur Verfügung gestellten Greifzange Müll einzusammeln und diesen dann am Schluss der Bootstour abzuliefern.

Kayak Tour auf den Alsterkanälen in der Hansestadt bei Eppendorf, mitten in grüner Natur.
Hat hier jemand «Hamazonas» gesagt? Viel Grün auf der Tour, aber leider wenig Müll (Andreas für Slow in the City).

Slow-Touristen werden für ihre Mühe also belohnt. Kurz gesagt: Ich Müll, Du Kanu. Oder, wohl etwas ortsüblicher: Umsonst schippern, Dreck wegschaufeln.

Meines Wissens ist das die einzige Bootsmiete, die man mit Anstand bezahlt. 

Gratis paddeln ist prima – aber wo bleibt bloss der Alster-Abfall?

Natürlich gibt man sich als Freizeit-Paddler bei einer solchen Win-Win-Situation Mühe, möglichst viel Müll und Abfall aufzugabeln. Fürs Wasser, für die Stadt, fürs persönliche Kayak-Karma.

Nur: Auf unserer Fahrt war fast nichts zu finden.

Green Kayak Miete gegen Müll in Hamburg, eine Waage
Müll-Ausbeute auf der Green-Kayak-Tour: Nicht einmal zwei Kilogramm. So sorry! (Andreas für Slow in the City).

Einmal konnte ich ein Blatt Papier aufgreifen, in einem besonders glücklichen Moment schnappten wir uns backbord eine Bierflasche. Am Schluss, als der eingesammelte Abfall gewogen wurde, kamen nicht einmal zwei Kilogramm zusammen.

Man habe, sagte uns der Vermieter, aber auch schon Green-Kayak-Paddler erlebt, die zehn Kilo Alster-Müll zurückgebracht hätten.

Kanutour auf der Hamburger Alster: Gewusst wann

Wie so vieles im hier propagierten langsamen Stadt-Tourismus hängt auch bei einer Kanu- oder Kayak-Tour auf den Hamburger Alsterkanälen vieles vom klugen Timing ab.

Und dies gleich in zweierlei Hinsicht.

Erstens möchte man fürs eindrücklich ruhige Paddel-Erlebnis natürlich am liebsten dann in den Flow kommen, wenn nicht Horden von Stand-Up-Paddlern, Tretboot-Mietern, sowie andere Kayak-Menschen, Kanuten und Ruder-Athletinnen unterwegs sind.

Kanufahren in Hamburg: Für Ungestörtheit früh, für Müll am Wochenende

Wer die städtischen Wasserwege möglichst für sich haben möchte, geht am besten schon früh ans Werk.

In der Regel werden die Green Kayaks ab 10 Uhr früh vermietet – und genau diese Abfahrtszeit garantiert am ehesten einen ruhigen ungestörten Flow.

Spiegelung in einem alsterkanal in Hamburg mit Backstein-Brücke
Es ist zum Verrücktwerden: Beim Kanufahren in Hamburg ist alles so lieblich, alles so schön – aber nirgends Müll in Sicht (Andreas für Slow in the City).

Der zweite Merkpunkt: Wer dabei erpicht ist, ein guter Geschäftspartner und also Müllsammler zu sein, konzentriert sich aufs Wochenende. Naturgemäss fällt freitag- und samstagabends am meisten Müll an, nämlich dann, wenn in Hamburg Horden von Partygängern ausschwärmen.

Was fürs Kayak-Karma heisst: am meisten Müll-Chancen hat man, wenn man am Samstag- oder Sonntagvormittag früh lospaddelt.

Von Flow zu Slow in the City: Ein Spaziergang durch Eppendorf

Wer sein Green-Kayak wie wir im schicken Hamburger Stadtteil Eppendorf gemietet hat, kann nach Rückkehr ans Land nahtlos vom entspannten Fluss-Feeling ins ruhige City-Gefühl wechseln.

Mit einem Spaziergang durch Eppendorf, auch «Hamburgs kleines Notting Hill» genannt, klappt der Transfer von Flow in the City zurück zu Slow in the City perfekt. Auch wenn die Müll-Bilanz fürs erste etwas mickrig ausgefallen ist.

Praktische Tipps und Wissenswertes zum Kanufahren in Hamburg

· Zeit, Ort, Routen: Wer mit einem Kayak auf den Alsterkanälen paddeln will, braucht keine Vorerfahrung. Sinn fürs Gleichgewicht hilft. Ein kostenloser Zeitslot zum Müllsammeln dauert in der Regel 1 Stunde und 45 Minuten bis 2 Stunden, man erhält eine Karte mit den Paddelrouten. Empfehlung: Karte per Smartphone fotografieren, Handy stets trocken halten. Saison: normalerweise Mai bis September. Aktuell werden die grünen Gratis-Kayaks an fünf Mietstellen in Hamburg angeboten.

· Reservation: Für sein Kayak muss man online oder via GreenKayak-App ein Zeitfenster reservieren. Paddler werden mit Mülleimer und Greifzange ausgerüstet. Alle Teilnehmer müssen schwimmen können. Minderjährige sind nur in Begleitung einer erwachsenen Person erlaubt. Erwartet wird, dass man sein Paddel-Erlebnis in den Sozialen Medien teilt.

· Organisation: GreenKayak wurde 2017 in Kopenhagen gegründet und ist heute in 19 europäischen Städten aktiv, dies in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Schweden.

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