Hostels in Milano – drei Unterkünfte, die mich 20 Jahre jünger machen

Übernachten mit Frischekur: Diese drei Herbergen in Milano wirken wie ein Jungbrunnen auf mich.
Was ist ein Hotel? Ein Ort zum Schlafen gegen Bezahlung? Ein simuliertes Zuhause? Eine Oase auf Reisen? Für mich ist es mehr: eine Bühne für Begegnungen und eine kleine Zeitmaschine.
Steige ich in City-Unterkünften ab, wo der Altersdurchschnitt deutlich über meinem liegt, fühle ich mich oft augenblicklich älter. Checke ich dagegen in Hostels ein, die von junger Energie, Dynamik und Inspiration leben, passiert das Gegenteil: Ich fühle mich wie um Jahrzehnte verjüngt, elektrisiert.
Hostels in Milano: Combo, Madama, Ostello Bello
Dabei geht es mir bei Hostels (siehe auch Box) keineswegs um Absteigen mit rustikalen Massenschlafsälen, sondern um stilvolle, quirlige Betriebe mit komfortablen Privatzimmern.
Orte für neugierige Stadtreisende, die entschleunigen wollen, ohne den Anschluss an den Puls der Zeit zu verlieren.

Wer (wie ich) dem Pensionsalter unglaublich viel näher steht als dem ersten Arbeitstag, sich aber im Kopf noch genauso neugierig fühlt wie mit Mitte 20, findet in Mailand (mindestens) drei ideale Jungbrunnen.
Bei mir jedenfalls funktioniert das zuverlässig. Diese Hostels in Milano machen mich gefühlt 20 Jahre jünger.
Combo Milano, eine Hochburg der Generation Coworking
Bauen sie das nächste Zalando? Oder werkeln sie an einer On-Demand-App für Cargo-Velos? Hier im Hostel Combo könnte es passieren. Das stilvolle Hostel im Mailänder Kanalviertel Navigli ist definitiv ein Biotop für digitale Nomaden, die (mindestens tagsüber) im Gewächshaus-Bereich des Gebäudes ihre Laptops glühen lassen.
Am Abend dann verwandelt sich das Haus in Bar, Restaurant und Kulturhaus. Anders als andere Hostels, die meist als Garni-Betriebe funktionieren und also nur Frühstück und Snacks servieren, bietet das Combo auch eine anspruchsvollere Gastronomie.

Das elegante Gebäude mit Laubengängen, die Zugang zu den Zimmern bieten, verfügt auch über einen sehr lauschigen Innenhof, der zum Verweilen einlädt.
Slow-Leserinnen und -Leser erinnern sich: Hier startet die Mailänder Slow-Stadtwanderung, die in 10 000 Schritten vom Navigli-Quartier zum Dom und zur Scala führt.
Geeignet für: Leute, die sich wohlfühlen in einer Umgebung, die nur so surrt vor Kreativität. Oder mindestens diesen Anschein erweckt.
Info: Die kleine italienische Combo-Gruppe führt je ein Hostel in Bologna, Milano, Turin und Venedig. Adresse Combo-Milano: Ripa di Porta Ticinese, 83, Stadtquartier Navigli. Preise: Doppelzimmer ab ca 100 Euro.
Madama, Hostel & Bistrot, Drehscheibe für Reisende und Einheimische
Ja, hier kann es auch einmal etwas lauter werden. Dann beispielsweise, wenn Milanesi auf dem Heimweg noch kurz Station machen auf der Terrasse des Hostels & Bistrots Madama.
Denn genau das ist das Konzept dieses Hauses: Keine reine Touristenblase zu sein, sondern Einheimische und Gäste zu verlinken. Oder auch Gäste untereinander, etwa in der Gemeinschaftsküche.

Das ganze Haus hat einen künstlerischen und alternativen Anstrich, die Gäste sind etwas jünger als im Hostel Combo. Wer auf allergrösste Ruhe Wert legt, ist im Madama nicht am richtigen Ort.
Alle anderen, die etwas Betrieb mögen (und sich gerne auch an der Kleiderstange bedienen, wo von Gästen vergessene Textilien frei angeboten werden), werden sich hier wohlfühlen. Zum Beispiel auch am Sonntagsbrunch im hauseigenen Bistro.
Geeignet für: Gäste, die sich zwangslos mit Einheimischen austauschen und in Kontakt kommen möchten.
Info und Adresse: Madama Hostel & Bistrot, Via Benaco, 1, Milano, Stadtquartier Porta Romana. Preise: Doppelzimmer ab ca 90 Euro.
Ostello Bello: Dachterrasse, Gemeinschaftsküche, Nachtleben
In den zwei Betrieben von Ostello Bello in Milano herrscht eine Atmosphäre zwischen Klassenlager, Uni-Fete und Spieleabend unter (neuen) Freunden.
Es vergeht kaum eine Dämmerung ohne Pub-Quiz, DJ-Set, Live-Konzert, Kollektiv-Aperitivo, Karaoke-Session oder Pasta-Plausch.

Wer es kulinarisch etwas stilvoller mag, verzieht sich in die gut eingerichtete Gemeinschaftsküche und zaubert sich dort – vielleicht mit einem anderen Privatzimmergast – selber ein Mahl auf den Teller.
Was alle, Jung und Alt mögen: Gepflegtes Abhängen auf der Dachterrasse, die zu jedem Ostello Bello gehört.

Wer die Zimmertüre hinter sich schliesst, kann auch mal abschalten.,
Das W-Lan ist stabil, Klimaanlage ist vorhanden, das Housekeeping ist hoteltypisch, die Hygiene-Standards sind so, wie man sich das wünscht.

Und wir erleben im Zimmer ein kleines Interior-Paradox: So lebendig das Muster an den Wänden, so verlässlich die Ruhe für den Rückzug!
Wenn, natürlich, unten im Haus nicht gerade eine Karaoke-Party läuft.
Geeignet für: Leute, die eine etwas chaotische Stimmung aushalten und diese in ein herzliches Erlebnis umdeuten können.
Info: Die italienische Gruppe Ostello Bello betreibt 14 Hostels in Italien. Adressen Milano: Ostello Bello Grande, Via Roberto Lepetit, 33, Quartier Hauptbahnhof Milano Centrale. Zweiter Betrieb: Ostello Bello Duomo, Via Medici, 4, Zentrumslage, etwa 15 Gehminuten vom Dom entfernt. Preise: Doppelzimmer ab ca 120 Euro.
Hostel versus Hotel – was ist der Unterschied?
Konventionelle Hotels bieten in der Regel Privatzimmer für Einzelpersonen, Paare oder Familien. Privatsphäre steht im Vordergrund. Hostels arbeiten mit Mehrbettzimmern («Dorms») mit vier, sechs, acht oder mehr Betten. Die Preise pro Übernachtung liegen dort deutlich unter jenen herkömmlicher Hotels – dafür teilt man sich den Raum und meist auch das Bad mit fremden Personen. Diese Form eignet sich besonders für budgetbewusste Reisende und Backpacker, die auf den «Community-Faktor» setzen.
Viele moderne Hostels führen heute jedoch auch private Einzel- und Doppelzimmer mit eigenem Bad. So geniesst man als älterer Gast quasi Hotelkomfort, taucht aber in Gemeinschaftsräumen, Lobbys, Bars oder bei gemeinsamen Aktivitäten unkompliziert in den Vibe der Hostel-Community ein. Solche gehobenen Unterkünfte werden oft auch als «Designhostels», «Grand-Hostels», «Boutique-Hostels» oder «Poshtels» bezeichnet. Combo, Ostello Bello und Madame gehören zu diesen Edel-Hostels.
Hinweis zu den Preisangaben: Genau wie konventionelle Hotels arbeiten auch Hostels in Milano mit dynamischen Preisen. Will heissen: Während Grossereignissen steigen die Preise steil an. Am besten vor der Buchung unsere Liste mit den Mailänder Grossereignissen konsultieren.