Milano
Alle Artikel aus Milano
Italien Milano

Milano im grünen Bereich – warum wir die Giardini Montanelli lieben

In Milano gehen alle Turisti in den einen Park. Wir gehen in den unbekannteren anderen. Aus gutem und schönem Grund.

Wenn der Pulk der Städtereisenden in Milano eine Kirche sehen (und handyfötelen) will, dann kann es nur ein Gotteshaus geben: Den weltberühmten Dom. Wenn die Turisti in nur ein Warenhaus gehen dürften, dann müsste es der Konsumpalast La Rinascente (auch beim Dom) sein. Und wenn sie Lust auf einen Park haben? Klar, dann wählen sie den bekanntesten. Den Simplonpark, scusi, Parco Sempione.

Tatsächlich spricht einiges für diese imposante städtische Grünanlage. Mit dem Stadtschloss Castello Sforzesco sowie dem Friedens- und Triumphbogen Arco della Pace weist der Parco Sempione zwei der bekanntesten Mailänder Sehenswürdigkeiten auf. Damit nicht genug: Als Numero Tre kommt noch der Aussichtsturm Torre Branca hinzu. Und dass gleich neben dem Park noch die gefühlt grösste Chinatown von ganz Kontinentaleuropa liegt, macht diese Gegend noch attraktiver. So attraktiv, dass wir uns später sicher mal noch dem famosen Simplonpark widmen werden.

Bäume und Treppen im Giardini Indro Montanelli, Stadtpark nähe Station Rebubblica in Milano
Flanieren und Pausieren mitten in Milano: Eingang zum Parco Giardini Indro Montanelli (Andreas für Slow in the City).

Unser Park in Milano: Die Giardini Indro Montanelli

Aber heute nicht. Heute gehen wir in den zweiten grossen Park der Stadt. In die Giardini Pubblicci Indro Montanelli, bis zu seiner Umbenennung im Jahr 2002 auch als Giardini di Porta Venezia, Parco Porta Venezia oder ganz einfach als Giardini Pubblici (öffentliche Gärten) bekannt.

Warum ziehen wir die unbekanntere Grünfläche der bekannteren vor? Weil dies, erstens, bei Slow in the City in der Natur der Sache liegt. Den Simplonpark findet jede und jeder alleine. Den etwas weniger bekannten Park weniger. Und zweitens passt die schlafende Schönheit gut zu unserem «Calma-calma»-Ansatz.  (Link zur Hauptseite Milano)

Kurz noch ein Wort zur urbanen Geografie: Die Giardini Indro Montanelli befinden sich im Stadtquartier Porta Venezia. Oder, anders gesagt, im Nordosten des historischen Zentrums von Milano. Weiter unten sagen wir Dir auch noch, wie Du zu Fuss oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommst.

Jungs spielen Fussball im Mailänder Stadtpark Giardini Indro Montanelli
Calcio mitten in der Stadt: Auch das ist möglich im Park Giardini Indro Montanelli (Andreas für Slow in the City).

Eine Grünanlage für Kinder, Hündeler, Jogger….

Weil der Park überhaupt nicht überlaufen ist, hört man hier endlich mal wieder das Laub rascheln, die Vögel singen – und die Kinder kreischen. Tatsächlich, in dieser Parkanlage wird viel getan für die lieben Kleinen. Ein Miniatur-Erlebniszug (Trenino dei Giardini), ein Karussell und eine Autoscooter-Bahn stehen bereit, um die Bambini freundlich zu stimmen.

Dazu kommt auch eine Buvette namens Bar Bianco. Kulinarische Höhenflüge sind hier nicht zu erwarten, aber man brüht einen anständigen Caffè und stellt zum Thema Gelati eine gewisse Basis-Auswahl zur Verfügung.

Bar Bianco im Mailänder Stadtpark Giardini Indro Montanelli
Caffè oder Gelato? Oder beides? Die Bar Bianco gewährleistet Koffein-Kick und Erfrischung in den Giardini Indro Montanelli (Andreas für Slow in the City).

Die erholsame Seite des Parks: Baumgruppen, kleine Wasserflächen und Treppenstufen sorgen dafür, dass man sich zeitweise weit entfernt fühlt vom mailändischen Wolkenkratzerleben, von piepsenden Handys, quietschenden Trams und der Musik, die einem ständig irgendwo entgegenplärrt. Stattdessen: Silenzio. Unterbrochen nur dann und wann vom Pfeifen der Vögel oder vom Freudegebell der Hunde, die hier auf ausgesuchten Flächen ohne Leine (Arena Cani liberi) herumtollen dürfen. Was den Park natürlich auch für Hündeler und Hündelerinnen zu einem kleinen Paradies macht.

Das leicht coupierte Gelände und die kurvigen Spazierwege mitten in der Natur machen den Park auch attraktiv für Joggerinnen und Jogger, die hier zu jeder Tageszeit ihre Bahnen ziehen. Man geniesst und staunt: Da und dort fühlt man sich wie im Wald. Und das mitten im pulsierenden Mailand!

… und ein Park für Verliebte in Milano

Wasserdichte statistische Daten habe ich nicht. Aber mir scheint, die Dichte der Liebespaare sei in den Giardini Indro Montanelli relativ hoch. Warum das so ist? Ich habe da eine Vermutung.

Auf diesem weitläufigen Parkgelände treffen sich Damen und Herren (oder Damen und Damen, Herren und Herren), die sich in ihrem exponierten Gefühlszustand lieber inkognito wähnen und also nicht erkannt werden sollten. Weshalb sie für ihre Quality Time lieber jenen Park wählen, der eine kleinere Bekanntheit (und geringere Visibilität) aufweist als der famose Parco Sempione.

Benannt ist der Park übrigens – was mich als Journalist natürlich freut – nach einem Journalisten, Indro Montanelli (1909 bis 2001) war einer der bekanntesten Edelfedern Italiens. Er war 40 Jahre lang in den Diensten des «Corriere della Sera», dem bürgerlichen Leitmedium des Landes, eine Art «NZZ» von Italien.

Statue von Indro Montanelli, bekannter italienischer Journalist, in den Giardini die Porta Venezia in Milano.
Indro Montanelli: Hier sitzt er nun, mit Schreibmaschine, wie eh und je. Deadline unbekannt (Andreas für Slow in the City).

Der gute Mann ist im Park nahe der Piazza Cavour mit einer Statue inklusive Schreibmaschine verewigt. Montanelli, auch als Schriftsteller ein grosser Name in Italien, ist allerdings bis heute aus historischen Gründen eine sehr umstrittene Figur.

Was konkret bedeutet, dass das Denkmal in «seinem Park» immer mal wieder mit Wut-Farbe (meist in Blutrot) übergossen wird.

Ein Park mit Schweizer Hochhaus

Fun Fact: Just an dieser Seite des Parkes, an der Via Palestro, steht auch der 80 Meter hohe Mailänder Wolkenkratzer «Centro Svizzero». An dessen Fuss befindet sich das Restaurant Swiss Corner. Für einen Drink und ein paar Knabbereien okay. Ansonsten nicht so sehr.

Centro Svizzero in Milano, nahe Park Giardini Indro Montanelli
80 Metri Swissness mitten in Mailand: Das Centro Svizzero Hochhaus beim Stadtpark Giardini Indro Montanelli (Andreas für Slow in the City).

Zur touristischen Ehrenrettung der Öffentlichen Montanelli-Gärten soll hier noch gesagt sein, dass sich auch hier ein paar Sehenswürdigkeiten befinden. Etwa das Ulrico Hoepli Planetarium, der elegante Barockpalast Palazzo Dugnani oder das Naturgeschichte-Haus Museo Civico di Storia Naturale.

Slow-Tipp: Anreise zur grünen Lunge

Der Park liegt sehr zentral, ganz in der Nähe des Monster-Bahnhofs Milano Centrale.

Der rund 160 000 Quadratmeter grosse Indro-Montanelli-Garten, nach dem Parco Sempione die zweitgrösste Parkanlage der Stadt Mailand, liegt sehr zentral. Ab Hauptbahnhof Milano Centrale gelangt man mit der Metro-Linie M3 in Richtung San Donato und Dom in zwei Minuten zur Station Repubblica, von dort aus sind es dann noch zehn Minuten zu Fuss bis zum Park.

Alternativ kann man auch gleich vom Bahnhof her den ganzen Weg zu Fuss gehen, was dann ungefähr 20 Minuten dauert. Vorteil hier: Mit diesem Spaziergang erschliesst sich rund um Milano Centrale ein Teil des Bahnhofviertels, das einige spannende Erlebnisse bietet.

Ein Paar spaziert im Park Giardini Indro Montanelli in Milano an einem schönen Herbsttag.
Hochgefühle im hohen Herbst des Lebens mitten in Milano (Andreas für Slow in the City).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert